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Interview mit Yoram Ben-Zeev

16. Juni 2011 · Keine Kommentare · Allgemein, deutsch-israelische Beziehungen, Friedensverhandlungen, Interviews, Politik, Sicherheit

In einem Interview mit Otto R. Romberg, dem Chefredakteur der Zeitschrift „Tribüne“ hat Yoram Ben-Zeev, der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, über seine Zeit in Deutschland, den Friedensprozess und die derzeitige Situation in und um Israel gesprochen.

Yoram Ben-Zeev

Ben-Zeev lobte die guten bilateralen Beziehungen und sagte, dass Deutschland auf einem sehr guten Weg sei, „nicht nur, was die Zukunft betrifft, sondern auch bei seinem Bemühen, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, sagte der Botschafter. „Das ist eine sehr starke Basis für die positiven Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, aber auch zwischen der israelischen und der deutschen Bevölkerung. Der Schriftsteller Amos Oz hat einmal gesagt, Deutschland und die deutsche Kultur hätten jüdische Gene und das Judentum habe deutsche Gene. Ich finde, das stimmt. Meine Erfahrungen hier haben mir das immer wieder bewiesen und ich hoffe, dass deutsche Besucher in Israel dasselbe Gefühl bekommen.“

Zu dem sich verschlechternden Image Israels sagte Ben-Zeev: „Wir müssen in elektronischen Medien wie Printmedien unsere Lage klarmachen, der Bevölkerung zeigen, mit was wir im Nahen Osten konfrontiert sind. Was die Deutschen im TV sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Vor allem müssen wir in Europa und Deutschland das Wissen über den Hintergrund des langjährigen Nahost-Konflikts vertiefen und deutlich machen, was die Basis des Konflikts ist. Die Probleme und Kämpfe mit unseren palästinensischen Nachbarn sind nicht erst eine Sache der letzten fünf oder zehn Jahre, es ist ein rund hundertjähriger Zwist. Sie haben in Ihrer Frage die Operation »Gegossenes Blei« erwähnt. Doch die militärische Konfrontation ist nur eine Seite der Medaille. Allein in der vergangenen Woche wurden aus Gaza über 40 Raketen auf die Stadt Be’er Sheva abgeschossen, auf Zivilisten! Solche Tatsachen übersehen viele Menschen außerhalb Israels.“

Zum Friedensprozess und dem Siedlungsbau gefragt, sagte Ben-Zeev, dass die Siedlungen keineswegs das alles blockierende Hindernis für eine Einigung seien. Die palästinensische Einwilligung in Verhandlungen erst kurz bevor das zehnmonatige Siedlungsmoratorium ausgelaufen war, untermauere diese Auffassung nur. „Das Problem sind nicht aktuelle Maßnahmen, die ergriffen oder auch vermieden werden. Denn der Hintergrund der hundertjährigen Auseinandersetzung ist weitaus stärker als einige Häuser in Jerusalem oder im Westjordanland“, erklärte Ben-Zeev.

Auch die Unruhen in den arabischen Ländern wurden im Interview besprochen, und dabei vor allem die anti-israelische Propaganda in diesem Zusammenhang. Ben-Zeev sagte dazu, dass er nicht wisse, wie man damit umgehen solle, und dass er hoffe, dass die demokratischen Stimmen wissen, dass Israel nicht der Feind ist. „Wenn man beobachtet, was beispielsweise gerade in Syrien passiert oder im Jemen – all das hat nicht das Geringste mit Israel zu tun“, sagte Ben-Zeev. „Ich hoffe, dass die neuen arabischen Bewegungen verstehen werden, wie vorteilhaft eine Kooperation mit Israel und dem Westen ist. Und wir sind bereit, mit den verschiedenen demokratischen Kräften der arabischen Welt zusammenzuarbeiten“, fügte er hinzu.

Abschließend wurde Ben-Zeev gefragt, welches Projekt er am liebsten auf die Beine stellen würde, wenn er eine „Carte Blanche von der Fee der internationalen politischen Zusammenarbeit“ überreicht bekäme. Er antwortete: „Wie Sie sicher wissen, habe ich mich in meiner Laufbahn intensiv mit dem Friedensprozess beschäftigt. Ich glaube, wir alle könnten hier von größerer Verhandlungsbereitschaft und Entschlussfreudigkeit profitieren. Gerne würde ich auch Projekte zur Entwicklung von Ländern in Afrika oder Lateinamerika auf die Beine stellen. Denn wer steht im Mittelpunkt des Judentums? Das Judentum ist nicht für die Starken da, sondern für die Schwachen. In einer Gesellschaft sehe ich nicht die führenden Leute mit den lauten Stimmen, die Reichen. Ich suche immer die Schwachen, die Witwen und Waisen, die Armen. So war es in den längst vergangenen Schulen und Synagogen zum Beispiel in Polen, und so ist es heute in den Schulen und Synagogen Israels. Ein schöner Ausdruck für diese Zielsetzung lautet »Tikun Olam« – die Heilung der Welt.“

Zum vollständigen Interview: http://www.tribuene-verlag.de/T198_Interview_BenZeev.pdf

Die „Tribüne – Zeitschrift zum Verständnis des Judentums“ wird seit 50 Jahren herausgegeben und erscheint vierteljährlich.

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