Botschaft des Staates Israel in Berlin

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Facebook-Chat mit Botschafter Hadas-Handelsman zur Situation in Israel und im Gazastreifen

18. Juli 2014 · 3 Kommentare · In eigener Sache, Operation Schutzlinie, Sicherheit

Botschafter Yakov Hadas-HandelsmanBotschafter Yakov Hadas Handelsman stand am Freitag auf der Facebook-Seite unserer Botschaft in einem Chat für Fragen zur aktuellen Situation in Israel und im Gazastreifen zur Verfügung. Der vollständige Chat kann hier nachgelesen werden. An dieser Stelle ein Protokoll der beantworteten Fragen:

Botschafter Hadas-Handelsman: 
Guten Morgen! Ich freue mich auf Ihre Fragen!

Richard Krauss:
Warum verstehen nach Ihrer Meinung viele Menschen in Europa und auch in Deutschland nicht, dass Israel wie jedes andere Land das Recht hat, sein Land und seine Bevölkerung zu schützen ? Wie erleben Sie als Botschafter und Ihre Mitarbeiter in Berlin gegenwärtig die Situation von Seiten der Presse und der Bevölkerung?

Botschafter Hadas-Handelsman:
Jemand hat behauptet, dass in der UNO drei Maßstäbe gelten: einer für undemokratische Staaten ( das ist leider noch immer die Mehrheit der Länder weltweit), zweitens für demokratische Staaten und drittens nur für Israel. Diese Aussage ist leider kein Scherz, sondern wir erleben sie tagtäglich und leider auch manchmal hier in Deutschland. 

Israel hat nach internationalem Recht das Recht und sogar die Pflicht, seine Staatsbürger zu verteidigen. Kennen Sie einen einzigen anderen Staat, der auch nur eine Woche, und nicht wie wir 14 Jahre, eine Situation tolerieren würde, in der seine Bürger den Launen von Terroristen ausgesetzt sind? Wir haben den Gazastreifen vor fast 9 Jahren vollständig geräumt. Wir haben Siedlungen geräumt und über 10.000 Menschen gezwungen, umzusiedeln. All das geschah nicht als Teil eines Verhandlungsprozesses. Es war Teil eines unilateralen Prozesses, um der Welt und den Palästinensern zu zeigen, dass wir Frieden wollen. Und was haben wir bekommen?

 
Guybrush Threepwood:
Wie gefährlich sehen Sie die antiisraelischen Demonstrationen hier in Deutschland? Es sind immerhin Nazis, Islamisten und Antisemitische Linke, die dort zusammen demonstrieren.

Botschafter Hadas-Handelsman:
Demonstrationen sind ein Herzstück westlicher Demokratien, aber nur solange sie gewaltfrei bleiben und frei von Hass sind. Was wir in den letzten Tagen gesehen haben – gewalttätige pro-palästinensische Demonstrationen, bei denen pro-Israel-Demonstranten überfallen wurden – Hassparolen und Hass in sozialen Netzwerken, das ist nicht Teil westlicher Demokratie. Das ist ein Versuch, Methoden, wie wir sie aus Dikaturen aus unserer Nachbarschaft kennen, nach Deutschland zu importieren. Das macht uns Sorgen, aber es sollte auch den Menschen in Deutschland Sorgen machen.

 
Till Mansmann:
 Herr Botschafter, der Gaza-Streifen wird ganz wesentlich von EU-Geldern gestützt, also auch aus meinen Steuergeldern. Für eine friedliche Lösung des Konflikts und für den Aufbau ziviler Strukturen bin ich auch bereit zu zahlen. Können wir aber sicher sein, dass nicht ein Teil des Gelds in die Raketen fließt, die die Terroristen auf Israel schießen? Es ist für mich gerade als Deutscher eine Horror-Vorstellung, wenn auch nur ein Cent meiner Steuergelder Angriffe auf israelische Bürger finanziert! Haben Sie Erkenntnisse darüber, ob EU-Geld in dieser Hinsicht missbraucht wird? Und wenn ja: Wird die europäische Bevölkerung über diese Erkenntnisse informiert?

Botschafter Hadas-Handelsman:
Ja, das geht auch aus einem Untersuchungsbericht des europäischen Parlaments hervor. Wir werden den Link dazu nachreichen. Sie haben als europäischer Bürger die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

 

Muhammed Saat:
Guten Morgen. Wie kann es sein, dass der durchnittliche Wasserverbrauch von einem Palästinenser 17 Liter beträgt und einem Israeli 70 Liter pro Tag zur Verfügung stehen? Wie kommt es zu den 10 Anforderungen der Hamas für einen gerechteren Umgang? Können sie die Hamas von den Palästinensern unterscheiden? Würden Sie Tinte mit Tinte wegwischen? Warum versucht man, Blut mit Blut wegzuwischen, Rache für Rache? Haben Sie einen langfristigen Lösungsvorschlag? Ich möchte den Frieden und keine Mauer oder Barrikaden.

Botschafter Hadas-Handelsman:
Ihre Aussage zum Wasser stimmt nicht. Das können Sie auch hier nachlesen.

Ja, selbstverständlich können wir die Hamas von den Palästinensern unterscheiden. Das palästinensische Volk und die Hamas sind für uns nicht das Gleiche. Das palästinensische Volk ist nicht der Feind. Wir wollen mit ihnen in Frieden leben. Die Hamas ist eine Terrororganisation, auch nach Meinung der EU und USA. 

Es gibt keine Politik der Rache. Es geht um die Sicherheit unserer Bevölkerung. Es geht nicht, dass drei unschuldige Jungen auf dem Nachhauseweg kaltblütig ermordet werden. Die Täter des Mordes an Mohammed Abu Chdeir werden wie alle anderen Terroristen behandelt. Abu Chdeir wurde gestern vom Verteidigungsministerium genauso wie die drei ermordeten jüdischen Jungen als Terroropfer anerkannt.
Fabian Indig:
Gibt es eine Bestätigung und/oder Erklärung zur angeblichen Plünderung von ca. 3 Mio. Euro von Palästinensern in der Westbank? Es kursieren nur zwei Artikel dazu, die nicht seriös sind.. Trotzdem werden diese in Diskussionen immer wieder vorgehalten.
Botschafter Hadas-Handelsman:
Das ist Lüge und Hetze. Das ist schlicht sachlich falsch und dient anti-israelischer Propaganda.
Gianni Strieder:
Welche Motive haben die Mainstream-Medien so einseitig anti-israelisch bzw. antisemitisch zu berichten? Liegt der tiefere Grund vielleicht darin, dass mit Israel das Gewissen in die Welt gekommen ist?! Und – mit George Steiner – die Menschen den Juden das in ihrem tiefsten Inneren nicht verzeihen können? („Drei Mal sagt der Jude zu den Menschen: Du musst besser sein, als du bist. Dafür gibt es kein Verzeihen. Und wird es nie geben.“)
Botschafter Hadas-Handelsman:
Die Antwort ist in Ihrer Frage schon enthalten. Es sieht aus, als gäbe es für Israel einen eigenen Maßstab in der Welt, wie ich bereits weiter oben Antwort ausführte. So auch in diesem Fall.
Marcus Penther:
Guten Morgen Herr Botschafter. Laut meinem Kenntnisstand ist das Ziel der aktuellen Bodenoffensive, die Infrastruktur der Terrortunnel zu zerstören, welche die Hamas ja prinzipiell nach Beendigung der Offensive wieder in Betrieb nehmen könnte. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller den Küstenstreifen, zumindest temporär, wieder zu besetzen mit dem Ziel, einen entmillitarisierten Gazastreifen zu erhalten. Das wäre, denke ich, die beste Art dem Raketenterror den Riegel vorzuschieben. Wie denken sie darüber?
Botschafter Hadas-Handelsman:
Wir haben nicht die Absicht, den Gazastreifen wieder zu besetzen. Wir haben Gaza in der Hoffnung verlassen, nie zurückzukehren. Das Ziel dieser Operation ist es, die Waffenbestände der Hamas, bzw. Bedrohung durch Raketen für Israel zu neutralisieren. Wie schon gesagt, ldie Lösung liegt in zwei Staaten für zwei Völker.
Gabriela Gottwald:
Richard C. Schneider, Journalist für das staatliche deutsche Fernsehen und in Israel vor Ort, hat gestern in den Nachrichten behauptet, die israelische Regierung würde die Hamas nur schwächen aber nicht vernichten wollen, da sie das daraus resultierende Machtvakuum befürchten und dieses mit noch radikaleren Kräften als die Hamas gefüllt werden könnte. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie hierauf Bezug nehmen könnten.
Botschafter Hadas-Handelsman:
Unser sofortiges Ziel ist es, den Beschuss israelischer Städte und Dörfer durch die Hamas zu stoppen – nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft.
Marina Struse:
Ich habe zwei Fragen: 1. Wie konnte die Hamas in den Besitz einer so enormen Menge an Raketen gelangen? 2. Die palästinensischen Bewohner in den Gebieten und die arabischen Israelis verhalten sich ruhig. Jedenfalls gibt es keine Nachrichten, die etwas anderes berichten. Wie kann man diesen glücklichen Umstand erklären? 
Botschafter Hadas-Handelsman:
 Zu 1. Die Hamas konnte Rohmaterialien schmuggeln und wurde vom Iran, Syrien und Nordkorea mit Raketen beliefert. Sie haben auch große Mengen von Waffen nach dem Zerfall Libyens bekommen. All das durch Schmuggel und die Unterstützung verschiedener Länder in unserer Nachbarschaft. Zudem hat die Hamas Steuergelder aus Europa benutzt und Spenden der internationalen Gemeinde, um ihr Waffenarsenal zu vergrößern. Und anstatt neue Schulen, Krankenhäuser und Infrastruktur aufzubauen, haben sie Zement und anderen Baumaterial genutzt, um Tunnel zu bauen und Israel anzugreifen.

Zu 2. Ich kann vermuten, dass es im Westjordanland ruhig ist, weil die Menschen dort verstehen, was die Hamas tut. Die Hamas kümmert sich nur um sich und nicht um das palästinensische Volk. Die Menschen sind nicht dumm.
Kevin Indig:
Mich würde interessieren, ob es derzeit Neuigkeiten und / oder Äußerungen seitens der IDF oder Israel bezüglich des Zwischenfalls am Strand gibt, bei dem angeblich Jugendliche / Kinder starben. Leider nimmt die Welt ein undeutliches Video und eine Behauptung direkt als Beweis in Kauf. Bisher konnte ich noch keine offizielle Stellungnahme außer „wir werden dem Fall auf den Grund gehen“ finden. 
Botschafter Hadas-Handelsman:
Wir bedauern den Tod eines jeden Unschuldigen – Israeli oder Palästinenser – besonders, wenn es Kinder sind. Die Bilder, die wir gesehen haben, waren schrecklich. Aber man sollte nie vergessen, dass für uns jeder Unbeteiligte, der betroffen ist, ein großer Fehler ist, während es für die andere Seite das Ziel ist. Außerdem versteckt sich die Hamas-Terroristen und ihre Waffen unter Zivilisten und zwingt Zivilisten, im Kampfgebiet zu bleiben, selbst wenn sie aufgefordert werden, dieses zu verlassen und nutzen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen, um ihre Raketen zu lagern und beschießen Israel von dort. Gerade gestern hat sich das UNO-Flüchtlingshilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) offiziell bei Israel entschuldigt, dass eine ihrer Schulen im Gazastreifen als großes Raketenlager benutzt wurde.
Elias Projekt:
Welche Möglichkeiten hat Israel, wenn die Offensive im Gazastreifen beendet ist, terrorfrei zu leben? Wie sieht Israel die Bedrohung der ISIS Gruppe, die, stetig, von Syrien her auf das heilige Land zukommt?
Botschafter Hadas-Handelsman:
Wir hoffen, dass man ohne Terror in unserer Region leben kann. Wir wollen mit unseren Nachbarn in Frieden leben. Es ist unerträglich, dass Terrororganisationen wie Hamas oder ISIS friedliebende Menschen bedrohen. Hamas ist ein Spiegelbild von ISIS – nicht bereit dazu, dass andere Menschen, mit anderen Meinungen, Kulturen, Religionen, frei leben zu lassen. Dieses Phänomen ist nicht nur auf unsere Region begrenzt, sondern verbreitet sich in Afrika (z.B. Boko Haram in Nigeria), Asien und leider auch in Europa.
Andreas Irmer:
Was ist über die momentane Unterstützung der Hamas seitens des Nato-Partners Türkei bekannt? (Erdogan hatte ja u.a. die Hamasführung 2012 zum Feiern eingeladen.)
Botschaft des Staates Israel:
Die Türkei, Katar und der Iran sind die einzigen Staaten im Nahen Osten, die Hamas unterstützen. Man muss dies kaum weiter vertiefen.

Andreas Degenkolbe:
Bei Entmachtung der Terror-Organisationen wie z. B. der Hamas, bei nachweislich dauerhafter Einstellung jeglicher Angriffe auf Israel (ob mit Raketen, Autobomben oder sonstigen Attentaten), bei vertraglich zugesicherter Akzeptanz des Existenzrechts Israels – gibt es für diesen Fall eine heute gültige Erklärung des Staates Israel, dann auch einen palästinensischen Staat anzuerkennen?
Botschafter Hadas-Handelsman:
Es ist offizieller Teil der israelischen Regierungspolitik. Es ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass es das Ziel unserer Verhandlungen mit den Palästinensern ist, eine Zweistaatenlösung für zwei Völker zu erreichen.
Kerim Kuyumcu
Warum ist es nicht möglich die Hamas gezielt zu bekämpfen? Damit meine ich nicht das Bombardieren, sondern einfangen der einzelnen Mitglieder. Schließlich hat Israel den weltbesten Geheimdienst.

Botschafter Hadas-Handelsman:
Wir versuchen, Hamas-Terroristen gezielt festzunehmen, wenn dies möglich ist. Aber man darf nicht vergessen, dass wir nicht im Gazastreifen sind.
Florian Rotenberg:
Ist eine engere Zusammenarbeit mit Ägypten möglich ? So könnte das ägyptische Militär Tunnelsysteme zerstören und strengere Genzkontrollen durchführen. Fattah as-Sisi ist ja durchaus kooperationsbereit.
Botschafter Hadas-Handelsman:
Israel und Ägypten kooperieren gegen den gemeinsamen Feind – den islamistischen Terrorismus. Uns verbindet der Wunsch, das palästinensische Volk nicht zu treffen. Ich möchte Sie auf das gestrige Statement des ägyptischen Außenministers Shukri aufmerksam machen. der der Hamas die Schuld für die Bodenoffensive gegeben hat.
Botschafter Hadas-Handelsman:
An alle, die Fragen zur Reisesicherheit haben: Für deutsche Staatsbürger gelten die Reiseempfehlungen des Auswärtigen Amts. Israel wird alles tun, um die Sicherheit seiner Gäste zu gewährleisten.
Botschafter Hadas-Handelsman:
Bezüglich der Situation der Zivilisten im Gazastreifen: Israel versucht alles, um Unbeteiligte nicht zu treffen. In diesem Rahmen haben wir beispiellose Methoden verwirklicht. Zum Beispiel: Telefonate, um Menschen aufzufordern, ihre Wohnungen zu verlassen. Wir haben auch Zeit gegeben, damit Menschen ihre Wohnorte verlassen können, bevor Israel aus der Luft oder vom Boden angreift. Sie haben die Möglichkeit, zu speziellen Orten zu gehen, wie Einrichtungen der UNRWA. Mehrere Tausend Menschen haben das getan, obwohl die Hamas es nicht erlaubt und die Leuten bedroht, falls sie es doch tun. Lassen Sie mich daran erinnern, dass alles geschieht, weil die Hamas die Bevölkerung als Schutzschild missbraucht und ihre Waffen und Abschussrampen in Wohngebieten platziert. 

Zur humanitären Hilfe: Täglich passieren hunderte LKWs mit Versorgungsgütern die Grenze zum Gazastreifen. Und das, obwohl Hamas diesen Grenzübergang tagtäglich bombardiert. Nicht nur versucht die Hamas, das Volk als Geisel zu missbrauchen, sondern sie versuchen auch alles, um es unmöglich zu machen, humanitäre Hilfe zu leisten. Die Hamas begeht damit in dreierlei Hinsicht Kriegsverbrechen. Sie greifen israelische Zivilisten an. Sie benutzen ihre Bevölkerung als menschliche Schutzschilde und sie versuchen den Transfer von humanitärer Hilfe zu sabotieren, die von dem Land kommt, das sie angreifen.
(Botschaft des Staates Israel, 18.07.2014)
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