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In Gedenken an Shira

17. Januar 2017 · 1 Kommentar · Gesellschaft, Terror

Shira Tzur, sel.A.

Am 8. Januar 2017 wurden in Jerusalem vier junge Israelis getötet, als ein palästinensischer Attentäter einen Lastwagen in eine Gruppe wartender Soldaten steuerte. Eine der Toten war die 20-jährige Shira Tzur aus Haifa.

Cathrin Shalev, eine gebürtige Deutsche, die in Israel lebt, kennt die Familie von Shira seit Jahrzehnten. Auf ihrer Facebook-Seite beschreibt sie in einem Eintrag die Angst vor dem Schmerz und dem Verlust, den jede israelische Familie kennt, deren Kinder ihren Wehrdienst absolvieren. Bei jedem Opfer, das ohne Vorwarnung aus dem Leben gerissen wird, wird auch die Welt der Familie und Freunde erschüttert. Wir möchten ihren bewegenden Eintrag an dieser Stelle teilen:

 

Liebe Freunde,

Eine Woche ist es nun fast her, dass die schreckliche Nachricht des Terroranschlags in Jerusalem 4 jungen Menschen das Leben nahm. Ganz Israel ist nach wie vor erschüttert und auch Deutschland trauert mit und zeigt Mitgefühl.
Für mich ist dies nicht nur ein weiterer Anschlag; er trifft mich persönlich und geht tief, sehr tief!

Und…

es hat eine Weile gedauert, dass ich in der Lage war, überhaupt etwas in Worte zu fassen…
es ist schwer zu beschreiben, welche Gefühle einen tagtäglich begleiten…

Shira ist die Tochter von Einat und Dudi, die ich vor 27 Jahren, gerade nach Israel gekommen, auf dem Geburtsvorbereitungskurs unser Söhne kennenlernte. Mit einem Tag Unterschied entbanden wir dann Yarin und Adi und lagen nebeneinander im Krankenhaus. Seither sind wir in Kontakt, nicht ständig, jedoch stetig. Darüberhinaus Nachbarinnen, die ihre Kinder mit den gleichen Freunden und in der gleichen Umgebung aufwachsen sehen.
Dann gingen Dudi und Einat mit der israelischen Marine nach Deutschland, meiner Heimat, und vor allem Shira gefiel die deutsche Sprache, das Leben dort und fuhr immer wieder gern dorthin zurück. Ich freute mich sehr, denn zu der Zeit stand Deutschland und die deutsche Sprache noch nicht unter dem positiven Stern, so wie heute, und meine Kinder hatten es als Kinder einer deutschen Mutter in Israel nicht immer leicht. Shira war in jedem Fall die perfekte Botschafterin beider Länder.

Nach 2 Jungen, die dem israelischen Militär gedient haben, kam vor zwei Monaten auch unser jüngster Sohn zum Militär. Er dient in einer Infanterie Eliteeinheit, die in Gebieten ihren Dienst tut, die uns schlaflose Nächte und unruhige Tage bereitet. Man betet und hofft, dass die Kinder ihren Dienst unversehrt an Leib und Seele überstehen werden. Ein Gedanke, der für Deutsche wohl kaum nachvollziehbar ist.
Man denkt an die Kinder in jeder Minute des Tages und möchte ihnen die wenigen Stunden am Wochenende zu Hause möglichst angenehm gestalten, damit sie Kraft tanken das Kommende nicht nur physisch sondern auch psychologisch zu verkraften.

Und dann passiert es,
dieses Unglück!!!
so nah bei dir,
dass es dir den Atem nimmt.

Dieser Schmerz,
dieser so unendliche tiefe Schmerz, der einen überfällt, der aber kaum den Schmerz und das Leid erahnen lässt, was Einat und Dudi, und die ganze Familie durchleben muss. Diesen Schmerz, den so viele Eltern in Israel ertragen müssen…
Und du verstehst, dass es genauso dich hätte treffen können. Dieser Gedanke ist unerträglich!
Politik ist das eine,
das Menschliche auf beiden Seiten ist katastrophal und unerträglich!
In der Hoffnung, dass irgendwann und möglichst bald ein Weg gefunden wird, dass die Menschen im Nahen Osten in Frieden miteinander oder zumindest nebeneinander leben können, dass keine Mutter mehr dieses Leid erfahren muss und in Angst um ihre Kinder leben muss!🙏
In Gedenken an Shira

Cathrin Shalev, geb. Lippert, kommt aus Norddeutschland und lebt seit 1990 mit ihrer Familie in Haifa. Nach ihrer Einwanderung nach Israel – der Liebe wegen – und dem Übertritt zum Judentum, engagiert sie sich für den interkulturellen Austausch und die Verständigung der deutschsprachigen Länder, insbesondere Deutschland und Österreich, mit Israel.

(Botschaft des Staates Israel, 17.1.2017)

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