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Rede von Benny Gantz nach Auftrag zur Regierungsbildung

17. März 2020 · Keine Kommentare · Politik

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin übertrug Benny Gantz, dem Parteivorsitzenden von Blau-Weiß, das Mandat zur Regierungsbildung.

Lesen Sie im Folgenden die vollständig übersetzte Rede von Benny Gantz in der Residenz des Präsidenten vom 16. März 2020.

Benny Gantz und Präsident Rivlin (GPO/Mark Neyman)

Benny Gantz: Ich möchte in wenigen Tagen eine nationale, patriotische und breite Regierung bilden

Herr Staatspräsident,

Mitbürger Israels.

Dies sind ungewöhnliche Zeiten. Im Gegensatz zu allen anderen, die wir erlebt haben.

Israel steht am Beginn einer schweren Krise.

In diesen Augenblicken ziehen sich Hunderttausende Familien in ihre Häuser zurück. Mütter und Väter wurden von einem mysteriösen Virus in Bedrängnis gebracht, vor dem sie ihre Kinder und sich selbst zu schützen versuchen. Einige haben bereits ihre Arbeit und ihren Lebensunterhalt verloren, andere könnten in Kürze mit diesem Umstand konfrontiert sein.

Großeltern befinden sich in einer freiwilligen Quarantäne und hoffen, so ihr Leben zu schützen, während die Einsamkeit – die nie einfach ist – schwieriger als je zuvor wird.

Und natürlich engagieren sich medizinische Teams heldenhaft und selbstlos, um Leben zu retten, und zeigen Mut, der uns alle inspiriert. Diese Menschen – Ärzte, Krankenschwestern, Juden und Araber – stehen zusammen, vereint.


In Zeiten wie diesen müssen die Führungskräfte ihre persönlichen Überlegungen beiseite legen.

Ich gebe Ihnen mein Wort: Ich werde alles tun, um eine Regierung zu bilden – national, patriotisch und so breit wie möglich – in wenigen Tagen, so rasch wie möglich.

Eine Regierung, in der ich die Menschen vertreten und ihnen dienen werde, die für Blau und Weiß gestimmt haben, genauso wie die, die für Likud gestimmt haben, und diejenigen, die für jede andere Partei gestimmt haben, sowohl rechts als auch links.

Ich werde allen israelischen Bürgern dienen.

Eine Regierung, in der ich die Interessen des Volkes von Judäa und Samaria sowie die Interessen der arabischen Bürger Israels, der Bevölkerung in der sozialen und geografischen Peripherie Israels und der Bevölkerung im Zentrum des Landes schützen werde.

Ich werde die Regierung leiten bei der Heilung der israelischen Gesellschaft von den Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie sowie von der Epidemie der Spaltung und des Hasses.

Unsere engagierten, mutigen Ärzte werden helfen, das Coronavirus zu bekämpfen. So wie es alle unsere gemeinsamen Anstrengungen und verantwortungsbewusstes Verhalten tun werden. Aber um den Hass und die Spaltung zu überwinden, brauchen wir Führer, die das beste Interesse des Landes und der Menschen über ihre eigenen persönlichen Bedürfnisse stellen.

Seit dem Ausbruch des Coronavirus habe ich geschwiegen.

Ich habe keine bombastischen Pressekonferenzen einberufen, und ich habe mich geweigert, Forderungen nach einem Angriff auf den Premierminister und seine Minister nachzugeben, obwohl andere in meiner Position möglicherweise etwas anderes getan hätten.

Die israelische Öffentlichkeit hat genug von Hass, Spaltung und Unsicherheit. Und ich auch.

Jeder von Ihnen, ob zu Hause, in Quarantäne oder an einem größtenteils leeren Arbeitsplatz, setzt derzeit auf unsere nationale Führung.

Sie erwarten von Ihrer Führung und von mir persönlich, Israel aus der Lähmung herauszuholen, in dieser außergewöhnlichen Zeit das Richtige zu tun, an einem Strang zu ziehen und Israel an die erste Stelle zu setzen.

Die Coronavirus-Krise ist nicht die schwerste Krise in der Geschichte unseres Landes.

Wir haben existenzielle Krisen überstanden, wir haben schmerzhafte Krisen überstanden und wir haben sie alle gemeinsam überstanden.

Die jüdische Geschichte und die israelische Geschichte sind reich an Beispielen dafür, wie wir zusammenhalten, unsere soziale Bindung und unsere kollektive Verantwortung stärken und jene Kräfte ablehnen, die versucht haben, unser Gefühl der Einheit und das gemeinsame Schicksal aller Israelis zu zerstören. Und ich betone – aller Israelis.

Als der Staat gegründet wurde, legten die verschiedenen paramilitärischen Organisationen ihre Meinungsverschiedenheiten beiseite, um Schulter an Schulter in der IDF zu kämpfen.

Und selbst in Krisenmomenten nach der schmerzhaften Altalena-Episode sagte Menachem Begin zu seinen Anhängern: „Wir werden kein Feuer eröffnen, es wird keinen Bürgerkrieg geben, solange der Feind am Tor ist.“ Ich werde auch hier niemals einen Bürgerkrieg zulassen.

Wir haben die schwierigen physischen Bedingungen der Lebensmittelrationierung nach der Gründung des Staates überstanden – und das gemeinsam.

Wir haben die wirtschaftliche Rezession und die jahrelange Inflation in den 1980er Jahren gemeinsam überstanden.

In der Krise der Weltwirtschaft 2008 standen wir zusammen.

Gegen externe Feinde – während des blutigen Jom-Kippur-Krieges, während des Golfkrieges, der das ganze Land in Schutzräume schickte, und seitdem bei vielen IDF-Operationen – hat sich die israelische Widerstandskraft immer durchgesetzt. Zusammen.

Ich bitte unsere Entscheidungsträger Panik zu vermeiden und die Öffentlichkeit nicht in unnötige Hysterie versetzen.

Wir müssen diese Krise ruhig bewältigen und Souveränität und Sicherheit vermitteln.

Wir werden diese Krise durch gezielte und kluge medizinische und wirtschaftliche Interventionen überwinden. Wir werden die Modelle untersuchen, die in anderen Ländern wirksam waren, und vor allem sicherstellen, dass die Krankenhäuser mit ausreichenden Untersuchungskits und Beatmungsgeräten ausgestattet sind.

Ich bin wirklich zuversichtlich, dass die Berichte von ungeschützten medizinischen Teams und von Engpässen bei Untersuchungskits nur ein Gerücht sind und nicht Ergebnis des Versagens im Organisationsmanagement.

Später wird Zeit dazu sein, sich mit dieser Krise zu befassen, Schlussfolgerungen zu ziehen und die dringend notwendige Sanierung des öffentlichen Gesundheitssystems in Israel zu prüfen.

Derzeit braucht Israel einen operativen nationalen öffentlichen Dienst, um die Bürger mit Bedacht durch diese Krise zu führen. Es braucht auch einen ständigen Polizeikommissar sowie ein funktionierendes Parlament und Kabinett.

Wir können einfach keine vierte Wahlrunde zulassen, die dem israelischen Volk zu diesem Zeitpunkt kritisch schaden würde.

Wahlen würden es unmöglich machen, Unternehmen zu helfen, die unter der Krise gelitten haben, Studenten, die aus ihrem Studium gerissen wurden, entlassenen Mitarbeitern und unzähligen Selbstständigen, die keine Ahnung haben, was die Zukunft für sie bereithält.

Herr Präsident,

Ich möchte Ihnen persönlich für Ihre tiefe Sorge um die israelische Gesellschaft danken. Und ich möchte mich zudem bei der Mehrheit der Mitglieder der Knesset bedanken, die mich als ihren Kandidaten für die Bildung der nächsten Regierung empfohlen haben.

Leider gab es auf dem Weg offen rassistische Äußerungen, Drohungen und Meinungsäußerungen, die Anlass zu großer Besorgnis darüber geben, dass die israelische Demokratie in Gefahr ist.

Es gab weitere illegitime Versuche des derzeitigen Premierministers, sich einem gerechten rechtlichen Prozess zu entziehen und gleichzeitig die nationalen Institutionen Israels zu schwächen. Niemand ist größer als diese Nation. Und niemand ist größer als das zionistische und israelische Projekt.

Führer, die versuchen, dem jüdischen und demokratischen System in Israel Schaden zuzufügen, werden ausnahmslos das Ende ihres politischen und öffentlichen Lebens herbeiführen, und die Geschichte wird ihnen nicht vergeben.

Der Staat Israel ist ein Mosaik vieler Stämme, von regulären Dienst- und Reservesoldaten über Lehrer und Ärzte bis hin zu Fabrikarbeitern und Angestellten – von denen viele angesichts des Versuchs, die israelische Demokratie in eine Diktatur zu verwandeln, fest und entschlossen entgegen stehen würden.

Zionismus und Tyrannei können nicht koexistieren.

Im Geiste der Zeit strecke ich hier allen Parteiführern, einschließlich Benjamin Netanjahu, „meinen Ellenbogen“ aus und fordere sie auf, ihr destruktives verbales Arsenal und den sinnlosen Hass beiseite zu legen.

Ich fordere sie auf, sich mir und dem Rest meiner Partei anzuschließen, gemeinsam unser Land zu heilen.

Ich habe immer Einheit gewollt. Aber keine Einheit auf Kosten demokratischer Werte noch auf Kosten der Würde und des Anstands, die wir uns für unser Land wünschen.

Es ist an der Zeit, dass alle Parteivorsitzenden und insbesondere Benjamin Netanjahu entscheiden, ob sie bereit sind, sich mir auf diesem Weg anzuschließen.

Es ist Zeit für weniger leere Worte und mehr inspirierte Handlungen.

Es ist an der Zeit, den Ausschluss und das innere Zerwürfnis beiseite zu legen.

Und um die zerrissenen Fragmente unserer vielen Stämme und Bürger Israels wieder zu verbinden.

Wir werden das Coronavirus überstehen.

Wir werden den Hass überwinden.

Wir haben die Hoffnung nicht verloren. Od lo avda tikvateinu.

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