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Shimon Peres über Ben-Gurion

22. November 2011 · 2 Kommentare · Allgemein

 

Von Elaine Margolin

Das zerknitterte und doch weiche Gesicht von Shimon Peres sieht aus, als hätte er viel geweint: Er scheint, als lasteten die Jahrhunderte der Judenverfolgung auf seinen starken Schultern. Und doch gibt es einen Funken der Hoffnung in seinen Augen, und eine Entschlossenheit, dass sein Lebenswerk von Bedeutung sein soll. (…)

Jetzt hat Peres gemeinsam mit David Landau, dem ehemaligen Chefredakteur der Haaretz, ein neues Buch herausgegeben: „Ben-Gurion – a political life“ gibt nicht nur intime Einblicke in die Gründungsjahre des Staates, sondern verrät auch viel über die Person Shimon Peres. (…)

Shimon Peres wurde 1923 in einem kleinen Schtetl in Polen als Shimon Persky geboren, also 37 Jahre nach Ben-Gurion. Er lernte Hebräisch und wanderte im Alter von zehn Jahren nach Palästina aus. Sein Vater war Holzhändler und seine Mutter Bibliothekarin. Er traf seine zukünftige Ehefrau in einem Kibbutz, gemeinsam zogen sie drei Kinder groß. Peres hat sich immer für die Bibel interessiert, und sein Großvater Rabbi Zvi Meltzer hat den Talmud mit ihm studiert, als er noch ein kleiner Junge war. Seine Eltern waren keine praktizierenden Juden. Alle Verwandten von Peres, die nicht auswanderten und in Polen geblieben sind, wurden von den Nazis ermordet, so auch sein geliebter Großvater Rabbi Meltzer, der in der Synagoge seiner Stadt lebendig verbrannt wurde.

Ben-Gurion hat sich Peres als Assistenten erwählt, als dieser erst 23 Jahre alt war. Wenig später, 1952, wurde Peres zum Direktor des Verteidigungsministeriums ernannt, wo er bis 1959 blieb. Peres war von der starken Persönlichkeit und der Vision Ben-Gurions fasziniert. Als Ben-Gurion aus Europa zurückkehrte, wo er ein Konzentrationslager gesehen hatte, „verstand er sehr klar, was der Rest der Welt zu dem Schicksal der europäischen Juden beigetragen hatte“, erinnert sich Peres. „Die Alliierten hatten die Juden nicht nur nicht gerettet, sie haben es nicht nur verpasst, die Lager oder die Bahnstrecken zu bombardieren. Britische Kriegsschiffe hielten sogar die Häfen Palästinas für alle Juden geschlossen, denen es gelungen war, der europäischen Hölle zu entkommen. Seine Schlussfolgerung daraus war klar und eindeutig: Wir müssen unverzüglich unseren eigenen Staat bekommen.“

Peres war der Vision Ben-Gurions eines sicheren und starken jüdischen Staates immer verpflichtet. Er respektierte Ben-Gurions Fähigkeit, rigoros durchzugreifen und seine kühne Entscheidung, mit Chaim Weizmann vom Zionistischen Weltkongress zu brechen, da dieser immer noch für mehr Geduld plädierte. Beim Thema Sowjetunion waren sich Peres und Ben-Gurion einig. Beide hatten mit einer romantischen Vorstellung des Kommunismus geliebäugelt, aber der Traum war schnell ausgeträumt, nachdem Ben-Gurion von einer Reise durch die Sowjetunion zurückkehrte. Er war entsetzt über den dortigen Antisemitismus und den Mangel an Menschenrechten für die Bürger der Sowjetunion.

Es gab immer Teile von Ben-Gurions Persönlichkeit, die Peres unerreichbar und unerklärlich erschienen. So erzählt er beispielsweise, dass sein Mentor nicht an das Rabbinat glaubte und es als archaische hierarchische Struktur betrachtete, obwohl er das Judentum als Glauben innig liebte. Ben-Gurion liebte die Vision des biblischen Propheten und verstand die hebräische Sprache als Reflektion seines Glaubens. Peres glaubte, dass Ben-Gurion seine einzigartige Kraft aus der Fähigkeit speiste, Abstand von den Meinungen anderer zu nehmen. Etwas, so scheint es, womit Peres manchmal Schwierigkeiten hat.

Ben-Gurions frühe Jahre waren tragisch. Er wurde als David Grün 1886 in Plonsk geboren, einer Stadt im nördlichen Polen. Sein Vater war ein Anwalt, der seine traditionelle jüdische Kleidung abgelegt hatte und sich so kleidete, wie es Anwälte zu der Zeit taten. Ben-Gurions Mutter starb im Kindbett, als er erst 12 Jahre alt war, es war ihre elfte Schwangerschaft. Als Ben-Gurion 14 Jahre alt war, lernte er Hebräisch und kam zu der Überzeugung, dass die Juden ihr eigenes Staatsgebiet haben müssen. Das zaristische Regime erschwerte es ihm später, an einer Ingenieursschule akzeptiert zu werden. 1906 wanderte er im Alter von 20 Jahren gemeinsam mit seiner ersten großen Liebe nach Palästina aus.

„Ben-Gurion – a political life“ ist ein wunderbar intimes und wichtiges Buch über die tapferen Männer und Frauen, die den Staat Israel allen Schwierigkeiten zum Trotz und nach den zerstörerischen Auswirkungen des Holocaust gegründet haben. Verzweifelte Hoffnung trieb diese jungen Zionisten an, eine Mischung aus Wut und Überzeugung, die der Schriftsteller Amos Elon wie folgt beschreibt: „Sie waren eine Sorte von Revolutionären, die in ihrer eigenen Welt aus strahlenden Erwartungen lebten. Die Linken sahen einer gerechten Gesellschaft entgegen. Die Rechten postulierten die Wiedergeburt des ‚Muskeljuden‘. Alle hielten die Notwendigkeit von Assimilation auf kollektiver Ebene hoch und wollten wie alle anderen Menschen und Völker werden. Assimilation bedeutet in ihrem Verständnis nicht den Verlust der eigenen Identität. Sie wollten nicht sklavenhaft ihr eigenes historisches und ethnisches Erbe ablegen, sondern stattdessen die ausschließlich religiöse Identität ablegen, auf der die Juden während des Mittelalters bestanden.“

Elaine Margolin schreibt Buchrezensionen für The Jewish Journal und andere Publikationen.

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