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Staat und Religion in Israel – Perspektive eines arabisch-christlichen Bürgers Israels

13. August 2013 · 2 Kommentare · Gesellschaft, Religion

Salim JubranDas Verhältnis von Staat und Religion in Israel aus Sicht eines arabischen und christlichen Bürgers Israels – Salim Jubran, Richter am Obersten Gerichtshofs Israels.

Im Oktober 2012 hielt Richter Salim Jubran im Rahmen der Lausanne Conference of the IAJLJ (International Association of Jewish Lawyers and Jurists) einen Vortrag zu seiner Sicht auf Staat und Religion in Israel, welcher im Frühjahr 2013 im Magazin der IAJLJ veröffentlicht wurde. Im Folgenden die Einführung: 

 

Der Staat Israel ist ein einzigartiges Land hinsichtlich der Zusammensetzung seiner Gesellschaft – Juden, Araber, Moslems, Christen, Baha’is.

In Israel leben etwa acht Millionen Menschen, darunter 1,5 Millionen Araber, davon 1,35 Millionen Moslems, 150.000 Christen von insgesamt zehn anerkannten und weiteren kleinen christlichen Gemeinschaften.

Die Institutionen der verschiedenen Religionen genießen volle Autonomie hinsichtlich ihrer inneren Angelegenheiten, volle Kontrolle über ihre heiligen Stätten bis hin zur vollen Selbstbestimmtheit bezüglich ihrer religiösen Regularien insbesondere im Hinblick auf Heirat und Scheidung.

Der Staat mischt sich nicht in religiöse innere Angelegenheiten der Gemeinschaften und ihrer Mitglieder ein, dies obliegt bei Bedarf dem Obersten Gerichtshof.

Die friedvolle Koexistenz aller Gemeinden in Israel basiert auf gegenseitigem Respekt. Wir versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, die von Toleranz und Respekt geleitet ist. Zumeist ist es uns gelungen, dieses Ziel zu erreichen, ein Beispiel hierfür ist Haifa, wo ich lebe und wo beispielsweise das internationale Zentrum der Baha’i ansässig ist. Alle Religionen und Gemeinden leben hier zusammen, so werden Weihnachten, Channukka und der Geburtstag des Propheten Mohammed gleichermaßen begangen.

Israel ist als ein jüdischer und demokratischer Staat definiert, wie es in den Grundgesetzen zum Zivil- und Menschenrecht formuliert ist.

Die Unabhängigkeitserklärung von 1948, welche die Basis für die Grundgesetze darstellt, sichert allen Bürgern völlige Gleichberechtigung hinsichtlich ihrer sozialen und politischen Rechte zu, unabhängig von Religion, Ethnie und Geschlecht und sie garantiert die Freiheit der Religion, Meinung, Sprache, Bildung und Kultur.

Alle religiösen Gemeinschaften in Israel genießen Religionsfreiheit oder auch Freiheit von Religion. Alle Gemeinden können ihren Glauben ausüben und ihre Traditionen bewahren, Moslems können Moscheen bauen, Christen Kirchen und Juden Synagogen. Seit vielen Jahren erhalten Pilger die Genehmigung, über Jordanien zu der heiligsten Stätte des Islam, Mekka in Saudi-Arabien, zu reisen.

Bis 1967 war es Christen aus Israel erlaubt, über Jerusalem zu den christlichen Stätten im damaligen jordanischen Gebiet zu pilgern, seit 1967 gibt es selbstverständlich freien Zugang.

Jedes Jahr lädt der Präsident des Staates Israel die Vorsitzenden der verschiedenen Gemeinden zu einem festlichen Empfang in seine Residenz, um Weihnachten und Neujahr zu feiern. Viele Regierungsangehörige besuchen an den verschiedenen Feiertagen die christlichen und muslimischen Gemeinden, um ihre guten Wünsche zu übermitteln.

Ein Komitee, das alle Führer der religiösen Gemeinschaften vereint, wurde eingesetzt, um die Verständigung und Kooperation untereinander in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen zu fördern.

Religionsfreiheit ist eines der Zivilgrundrechte in Israel, da es in der Unabhängigkeitserklärung statuiert ist und den Kern des Grundgesetzes ausmacht: die Würde und Freiheit des Menschen.
Der vollständige Vortrag in englischer Sprache

Salim Jubran wurde 1947 in Haifa in eine christlich-arabische Familie geboren. Er erhielt einen Bachelor-Abschluss in Rechtswissenschaften an der Hebräischen Universität. Mit 35 Jahren wurde er in Haifa zum Richter am Amtsgericht ernannt und hatte im weiteren Verlauf seiner Karriere verschiedene Anwalts- und Richterposten inne, bevor er im Mai 2004 erster arabischer Richter am Obersten Gerichtshof wurde.

 

 

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