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Der Taubenzüchter von Bagdad: Ein Abend anlässlich des ersten Gedenktages für die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern

3. Dezember 2014 · Keine Kommentare · Allgemein, Geschichte, In eigener Sache

Am 23. Juni 2014 hat das israelische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das den 30. November als jährlichen landesweiten Gedenktag der Vertreibung von 850.000 Juden aus den arabischen Länder und dem Iran im 20. Jahrhundert festlegt.

Juden lebten schon seit Jahrtausenden in den arabischen Ländern und viele der Gemeinden reichten in die vorislamische Zeit zurück. Mit dem Aufstieg des arabischen Nationalismus und dem Konflikt um das historische Palästina begannen die neuen arabischen Regime eine Kampagne gegen die jüdischen Bürger ihrer Länder, wobei deren Menschenrechte massiv verletzt wurden. Die einheimischen Juden wurden enteignet, es wurde ihnen die Staatsbürgerschaft entzogen, sie wurden vertrieben, eingesperrt, gefoltert und viele auch ermordet.

Die Berichte der Juden aus den arabischen Ländern unterscheiden sich je nach Land und nach Familienschicksal im Detail, doch im Kern gleichen sie sich.

Am gestrigen Abend (2.12.2014) haben die Konrad Adenauer Stiftung, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin/Potsdam und die Botschaft des Staates Israel zu einem Abend anlässlich des ersten offiziellen Gedenktages für die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Staaten und Iran eingeladen.

(Fotos: Botschaft des Staates Israel)

(Fotos: Botschaft des Staates Israel)

Nach der Vorführung des Films „The dove flyer“ („Der Taubenzüchter von Bagdad“) fand ein Gespräch mit dem aus dem Irak stammenden Schriftsteller Najem Wali, dessen Roman „Engel des Südens“ sich mit diesem Thema befasst, der Politikwissenschaftlerin und Journalistin Dr. Sylke Tempel (Chefredakteurin der Zeitschrift „Internationale Politik“ der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik DGAP) sowie Jörg Rensmann (Scholars for Peace in the Middle East) statt. Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Magdalena Kirchner (DGAP). Zur Begrüßung sprach der Botschafter des Staates Israel, Yakov Hadas-Handelsman und führte aus:

„Wir haben uns entschieden, mit Hilfe des Films „The Dove Flyer“ auf das Thema aufmerksam zu machen. Der Film basiert auf dem Roman des bekannten israelischen Schriftstellers Eli Amir. Der deutsche Titel ist „Der Taubenzüchter von Bagdad.“ Das Buch ist so etwas wie Eli Amirs Autobiographie. Der Autor wurde 1937 in Bagdad geboren. Seine Familie musste 1950 aus der irakischen Hauptstadt fliehen, weil sie als Juden verfolgt wurden. Sie kamen in den neu gegründeten Staat Israel. Und da sind wir auch schon mitten in der Geschichte. Einer wahren Geschichte. Der Geschichte einer Vertreibung und Flucht.

Der Film nimmt uns mit in die Welt der irakischen Juden am Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ihr Schicksal steht heute Abend stellvertretend für das Schicksal von 850.000 Juden, die aus ihren Heimatländern vertrieben und so zu Flüchtlingen wurden.

Zum Hintergrund muss man wissen, dass bis zur Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 rund eine Million Juden in arabischen Ländern lebten. Die meisten von ihnen in ur-alten Gemeinden. Sie leisteten in ihren Ländern einen umfangreichen Beitrag in allen Bereichen des Lebens, in der Literatur und der Musik, in Wirtschaft und Handel, in Bildung und Medizin. Und sie lebten dort schon lange vor der islamischen Eroberung und der Arabisierung der Region.

Die jüdische Gemeinde im Irak existierte zum Beispiel seit über 2500 Jahren. Sie war ein kulturelles Zentrum des Judentums und die Wiege des Babylonischen Talmuds. (…)

Zwischen den Jahren 1949 und 2009 gab es 163 Resolutionen in der Generalversammlung der Vereinten Nationen, die sich mit den palästinensischen Flüchtlingen beschäftigten.

In derselben Zeit gab es keine einzige Resolution, die sich mit den jüdischen Flüchtlingen beschäftigte.

Auch der UN-Menschenrechtsrat hat seit 1968 insgesamt 132 Resolutionen zum Thema palästinensische Flüchtlinge verabschiedet. Sie ahnen es bereits: Es gab bis heute keine einzige Resolution zum Thema der jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern.

Ich vermute, dass die Geschichte der Vertreibung hunderttausender Juden aus den arabischen Ländern im Allgemeinen nicht sehr bekannt ist.

Auch wenn das UNHCR (das Flüchtlingshilfswerk der UN) bei zwei Gelegenheiten – im Februar 1957 und im Juli 1967 – verlauten ließ, dass die Juden, die aus arabischen Ländern geflohen waren, nach internationalem Recht als Flüchtlinge angesehen werden.

Verstehen Sie mich nicht falsch – wir ins Israel warten nicht auf irgendwelche internationalen Resolutionen in dieser Sache. Wir haben schließlich alle jüdischen Flüchtlinge aufgenommen und sie in unsere Gemeinschaft integriert. Die arabischen Staaten haben dasselbe allerdings nicht mit den palästinensischen Flüchtlingen getan. Ganz im Gegenteil.“

Andreas Kleine-Kraneburg

Andreas Kleine-Kraneburg

Botschafter Yakov Hadas-Handelsman

Botschafter Yakov Hadas-Handelsman

Im Anschluss an den Film haben sich die Podiumsteilnehmer, der Botschafter und das Publikum rege ausgetauscht über die Bedeutung und Notwendigkeit dieses Gedenktages als Würdigung einer anderen Facette der jüdischen Migrationsgeschichte neben der der europäischen Juden, sowie über die Anerkennung der immensen Integrationsleistung des jungen Staates Israel.

Inwiefern die in Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur seit langem geführte Debatte Eingang in das israelische Bildungssystem haben wird, wie von Präsident Rivlin in seiner Rede gefordert, wurde angesprochen, ebenso der Wunsch nach einer zukünftigen Debatte über das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge in den arabischen Ländern selbst.

(Botschaft des Staates Israel, 3.12.2014)

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