Botschaft des Staates Israel in Berlin

Offizieller Blog

Botschaft des Staates Israel in Berlin header image 2

Leutnant Shachar: Der erste IDF-Offizier, der sich als Transgender geoutet hat

9. Juni 2015 · Keine Kommentare · Armee, Gesellschaft, LGBT, Vermischtes

Vom 7. – 12. Juni findet in Tel Aviv das jährliche „Pride“-Festival statt. Im Fokus stehen in diesem Jahr die Rechte von Transgendern.

Im letzten Jahr hat die Transgender-Gemeinschaft in Israel maßgebliche Erfolge errungen: im rechtlichen Bereich, im Parlament, in der Öffentlichkeit und innerhalb der LGTB-Gemeinschaft. Ein Beispiel für die Unterstützung, die Transgenders in Israel erfahren, ist die Geschichte von Leutnant Shacha. Er trat den israelischen Streitkräften (IDF) als Frau bei, bekannte sich aber im Laufe seiner Ausbildung zu seiner männlichen Identität. Nun durchläuft er mit finanzieller Hilfe der Armee den Prozess der Geschlechtsumwandlung.

Bild eines IDF-Offiziers (Foto: IDF)

Bild eines IDF-Offiziers (Foto: IDF)

Als Shachar der Armee beitrat, wusste er, dass er sich wie ein Mann fühlte und als Transgender identifizierte. Aber nicht jeder in seinem Leben wusste dies ebenfalls. Bei seiner Rekrutierung war er noch nicht bereit, sich jedem als Mann vorzustellen. „Als ich zwei Jahre alt war, wusste ich, dass ich männlich war. Im Alter von 16 lernte ich, diese Gefühle zu definieren. Seitdem wussten alle wichtigen Menschen in meinem Leben Bescheid. Vor der Rekrutierung war mir klar, dass ich dieses Thema ansprechen müsste.“

Innerhalb von 24 Stunden nach seiner Ankunft im Trainingsstützpunkt wandte sich Shachar an seine Kommandantin, um mit ihr über seine Bedürfnisse zu sprechen. „Ich war nicht bereit, jedem um mich herum Bescheid zu sagen, aber ich habe mich entschieden, mit meinen Kommandanten zu sprechen. Ich verstand, dass ich offen zu ihnen sein müsste, wenn ich wollte, dass sie Verständnis zeigen würden.“ Seine Kommandantin verstand die Situation und gab Shachar Zeit, alleine zu duschen. Außerdem erteilte sie ihm die spezielle Erlaubnis, nur seine Felduniform zu tragen, die für Männer und Frauen gleich ist. So konnte an der Ausbildung teilnehmen, ohne in Situationen zu geraten, in denen er sich unwohl gefühlt hätte.

Während des Offizierskurses realisierte Shachar, dass er sich zu seiner Geschlechtsorientierung bekennen müsste. Wenn er ein erfolgreicher Offizier werden und gute Beziehungen zu seinen Soldaten haben wollte, dann müsse er ehrlich zu ihnen sein, so dachte er.

Gegen Ende des Ausbildungskurses ist eine Woche dazu bestimmt, zukünftige Offiziere darin zu unterrichten, wie sie mit den individuellen Bedürfnissen jedes Soldaten umgehen sollen. Dabei gibt es Aktivitäten, die die Unterschiede zwischen Soldaten und ihre speziellen Bedürfnisse betonen. Shachar outete sich vor seiner Kompanie während einer Aktivität, die sie in dieser Woche hatten. „Einer der Jungs fragte mich, wieso ich eine Uniform für Männer trug. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich dieses Thema vor einem großen Publikum ansprach. Ich sagte ihm, dass ich eine Männeruniform trug, weil ich mich danach fühle. Mein ganzes Leben lang wusste ich, dass ich ein Mann bin, obwohl ich als Frau geboren wurde. Ich denke, fühle und identifiziere mich als Mann.“

Shachar beendete seinen Kurs zur Offiziersausbildung als ein Mann. Seine Kommandantin kümmerte sich persönlich darum, dass sein Offiziersdiplom ihn als einen männlichen Kommandanten ausgab.

Das israelische Gesetz verpflichtet öffentliche Kliniken, Geschlechtsumwandlungsprozesse zu finanzieren, wenn die betreffende Person in der Lage dazu ist, eine körperliche Umwandlungsoperation durchzumachen.  […] Die israelischen Streitkräfte (IDF) finanzieren nach israelischem Gesetz sowohl hormonelle Behandlungen als auch Geschlechtsumwandlungsoperationen. Shachar nimmt zurzeit Geschlechtshormone. Wenn er sich für den nächsten Schritt, eine Umwandlungsoperation, entscheidet, wird die israelische Armee diese Behandlung ebenfalls finanzieren und unterstützen.

[…]

Brigadegeneral Rachel Tevet-Weisel, zuständig für Frauen- und LGTB-Themen bei den IDF, sagte: „Ich glaube nicht, dass die Armee frei von Homophobie ist. Es gibt sicher Fälle, in denen sich Soldaten nicht korrekt verhalten, aber das ist gegen die Linie der IDF. Es ist Teil der IDF-Ausbildung heutzutage, dass man tolerant sein muss. Es gibt ein spezielles Programm im Offiziersausbildungskurs, das von Toleranz handelt, und LGTB-Themen kommen dort auch vor. Man muss jeden so akzeptieren, wie er ist. Man kann sich die Soldaten nicht aussuchen. Dies sind deine Soldaten und dies sind die Menschen, mit denen du zusammen kämpfen wirst.“

(IDF Blog, 27.05.2015)

Be Sociable, Share!

Tags:

Keine Kommentare bisher ↓

Like gas stations in rural Texas after 10 pm, comments are closed.