Botschaft des Staates Israel in Berlin

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Anlässlich 50. Jahrestag des Eichmann Prozesses: Minister Peled in Berlin

25. Mai 2012 · 2 Kommentare · deutsch-israelische Beziehungen, Holocaust

Yossi Peled, israelischer Staatsminister im Amt des Ministerpräsidenten, war am Mittwoch und Donnerstag auf Besuch in Berlin.

Anlass für den Besuch Peleds war der 50. Jahrestag des Eichmann-Prozesses. Das Todesurteil, mit dem der Prozess endete, wurde in der Nacht zum 1. Juni 1962 vollstreckt.

Peled war zunächst Ehrengast bei der Magbit-Eröffnung des Keren Hayesod am Mittwochabend.

Am Donnerstag nahm er an einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz teil. In seiner Delegation befanden sich unter anderem Überlebende des Holocaust und Offiziere der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte.

Yossi Peled (Foto: Michael Tewes)

Peled erklärte in seiner Rede, indem er sich an „meine deutschen Freunde“ wandte:

 „Der Staat Israel ist aus der Asche der Opfer der Shoah entstanden, und er hat sich vom ersten Tag an geschworen, dass diese Hölle niemals wiederkehren wird. Glücklicherweise haben Israel und Deutschland ihre Freundschaft über die Jahre gestärkt, und heute ist sie unerschütterlich.

Bei meinem letzten Besuch hier, zum 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, habe ich auf dieser Bühne gesagt, dass weder 70 noch 700 Jahre dazu führen werden, dass wir diese Ereignisse vergessen werden, und ich habe die jungen Deutschen dazu aufgerufen, sich im Gedenken uns anzuschließen und niemals zu vergessen.

Während der Gedenkveranstaltung (Foto: Michael Tewes)

Meiner Ansicht nach sollte die Shoah zu einem menschlichen Dialog werden, vor allem zwischen zwei Völkern. Daher haben wir als Teil des Programms zum 50. Jahrestag des Eichmann-Prozesses und um dafür zu sorgen, dass der Prozess und die Ereignisse der Shoah in Erinnerung bleiben, ein Programm für die Verleihung von neun Stipendien für junge deutsche Wissenschaftler initiiert.“

Botschafter Yakov Hadas-Handelsman wies in seiner Rede darauf hin, dass der Eichmann-Prozess für die Auseinandersetzung mit der Shoah weltweit Bedeutung hatte.

Botschafter Yakov Hadas-Handelsman (Foto: Michael Tewes)

„Für Israel und den Rest der Welt bedeuteten der Eichmann-Prozess 1961 und die Hinrichtung Eichmanns 1962 zweierlei“, so der Botschafter. „Zunächst wurde ein Verbrecher vor Gericht gestellt und erhielt anschließend seine gerechte Strafe. Eichmann wurde in einem rechtsstaatlichen Prozess für seine Verbrechen zur Verantwortung gezogen – dies war ein wichtiges Signal, das von dem jungen Staat Israel ausging.

Doch abgesehen davon erfuhr die Welt aus erster Hand, was damals geschehen war. Täter und Opfer kamen zu Wort. Die Aussagen Eichmanns vor Gericht entlarvten die Akribie, mit der der Massenmord geplant worden war. Die Wannsee-Konferenz und das von Eichmann angefertigte Protokoll spielten im Prozess eine wichtige Rolle.“

Weitere Reden hielten der Leiter des Hauses der Wannsee-Konferenz, Herr Dr. Norbert Kampe, der Staatsminister im Kanzleramt Eckart von Klaeden, Polizeikommmandant Miki Goldman, der für die Generation der Holocaust-Überlebenden sprach und Lieutenant Eileil Semel, die als Vertreterin der sogenannten „Dritten Generation“ von ihrem Verhältnis zu Deutschland erzählte.

Foto: Botschaft

 Bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend in der „Topographie des Terrors“  mit dem Titel 50 Jahre nach Ende des Eichmann-Prozesses in Berlin hielt Peled eine Begrüßungsansprache.

Foto: Michael Tewes

Der Film- und Diskussionsabend wurde von Prof. Dr. Andreas Nachama, dem Leiter der Stiftung Topographie des Terrors, moderiert. Er beschäftigte sich mit der Erinnerungskultur in Israel und Deutschland. Der Dokumentarfilm „Ich werde für Euch sprechen“ wurde mit einer Einführung von Tami Raveh, der Tochter von Gideon Hausner, dem Chefankläger im Prozess, gezeigt. Anschließend sprachen Dalia Ofer, emeritierte Professorin für Holocaust-Studien am Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry der Hebräischen Universität Jerusalem, Wolfgang Benz, emeritierter Professor und ehemaliger Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung sowie Autor und Heraus­geber zahlreicher Werke zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Anti­semitismus und Gabriel Bach, stellver­tretender Ankläger am Prozess gegen Adolf Eichmann späterer General­staatsanwalt und Richter am israelischen Obersten Gerichtshof.

(Botschaft des Staates Israel, 25.05.12)

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2 Kommentare bisher ↓

  • Andreas Moser

    Für Interessierte: Die vollständige Mitschrift sowie das vollständige Bildmaterial des Eichmann-Prozesses ist online. Links am Ende meiner Film-Besprechung von „The Specialist“: http://andreasmoser.wordpress.com/2010/12/18/film-review-the-specialist-eichmann/

  • rahab

    „Es war der große Vorteil eines Prozesses, in dem nur das Verbrechen gegen das jüdische Volk verhandelt wurde, dass nicht nur die Unterschiede zwischen Kriegsverbrechen (wie die Hinrichtung von Partisanen und Geiseln) und ‚unmenschliche Handlungen‘ (wie ‚Austreibung und Vernichtung‘ der einheimischen Bevölkerung) sich deutlich genug abzeichneten, um Teil eines zukünftigen internationalen Strafrechts zu werden, sondern auch dass der Unterschied zwischen ‚unmenschlichen Handlungen’ (deren Zweck: Expansion und Kolonisation, zwar verbrecherisch, aber nicht neu) und dem in jeder Hinsicht beispiellosen ‚Verbrechen an der Menschheit‘ hätte geklärt werden können. Eine solche Klärung erwartete man vergeblich. Weder im Verfahren noch im Urteil hat der Jerusalemer Prozess je die Möglichkeit auch nur erwähnt, dass die Auslöschung ganzer Völker – der Juden, der Polen oder der Zigeuner – mehr als ein Verbrechen gegen das jüdische oder das polnische Volk oder das Volk der Zigeuner sein könnte, dass vielmehr die völkerrechtliche Ordnung der Welt und die Menschheit im ganzen dadurch aufs schwerste verletzt und gefährdet sind.“
    (Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Piper. 6.Auflage 1996, S.399f)

    die von Hannah Arendt angemahnte Klärung steht immer noch aus.

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