Botschaft des Staates Israel in Berlin

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Abschiedsbrief in schweren Zeiten

31. Juli 2014 · Keine Kommentare · Allgemein

Tal Gat (Foto: Margit Schmidt)

Tal Gat (Foto: Margit Schmidt)

Liebe Freunde,

nach drei Jahren beende ich heute meinen Dienst als Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit in der israelischen Botschaft in Deutschland.

Viele von Ihnen und Euch durfte ich bei verschiedenen Veranstaltungen kennenlernen, die Israel zum Thema hatten – in vielen Gesprächen, bei Versammlungen und Demonstrationen, in Seminaren, die wir gemeinsam organisierten und bei ungezählten einzelnen Begegnungen. Ich hatte eigentlich beabsichtigt, in meinem Abschiedsbrief von diesen Begegnungen zu erzählen, von unseren gemeinsamen Vorbereitungen mit Blick auf das kommende Jubiläumsjahr, von der schönen Erfahrung und dem Privileg, das mir zuteil wurde, hier in Deutschland zu arbeiten, und auch von den Herausforderungen, vor denen wir als Freunde Israels stehen.

Aber die Wirklichkeit macht ihre eigenen Pläne und uns bleibt nichts weiter, als uns danach zu richten.

Wir alle gehen durch schwierige Zeiten. Unser Herz ist mit unseren Brüdern und Schwestern, unseren Freunden und Bekannten, die in Israel sind und unter ständiger Bedrohung durch den Terror leben. Von hier aus stehen wir ihnen bei, und dank Euch und Eures Einsatzes bestärken wir ihre Legitimation und das Verbundenheitsgefühl mit unseren israelischen Geschwistern.

Ihr kennt die Situation ebenso gut wie ich. Wir stehen vor der schweren Aufgabe, ein westlich orientiertes Land zu unterstützen, das immer wieder gezwungen ist, mit den Problemen der sogenannten Dritten Welt umzugehen. Israel ist ein Leuchtturm der Menschenrechte und des westlichen Lebensstils, der Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit, und sieht sich zugleich mit Aufrufen zu seiner Vernichtung und der Bedrohung seiner Bürger durch kontinuierlichen Terror konfrontiert.

Wir kämpfen nicht gegen das palästinensische Volk. Wir bekämpfen die Hamas, eine fundamentalistische und zynische Terrororganisation, deren Ziel es ist, Unschuldige auf beiden Seiten zu treffen. Zu unserem großen Kummer weckt die Hamas erneut Erinnerungen an die Worte der ehemaligen Ministerpräsidentin Golda Meir: „Der Frieden wird erst dann kommen, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.“ Der Kampf der Hamas führt zu einem asymmetrischen Krieg, in dem eine Seite alles unternimmt, um Werte, Normen und die Regeln für bewaffnete Konflikten aufrecht zu erhalten, während für die andere Seite der Zweck alle Mittel heiligt.

Die Demokratie ist das Rückgrat des Staates Israel. Auf unsere demokratischen Werte zu verzichten würde unsere Entwicklungsfähigkeit lähmen. Der ehemalige Richter am Obersten Gericht, Aharon Barak, definierte den Kampf Israels gegen den Terror als Kampf, bei dem eine Hand auf dem Rücken gebunden ist. Auch wenn diese Art des Kampfes uns gefährdet, werden wir die zweite Hand nicht vom Rücken lösen. Aber es liegt mir fern, mich dafür zu entschuldigen, dass mein Land in diesem Geist alles dafür tut, um mich und meine Familie zu schützen. Es ist dies doch die Verantwortung einer Regierung, deren Bürger ihre Sicherheit in ihre Hände legen.

Wir bekämpfen nicht das palästinensische Volk. Hier herrscht ein Kampf für das Recht eines fünfjährigen Kindes aus Aschdod, sicher schlafen zu dürfen, ohne befürchten zu müssen, dass Sirenengeheul es weckt; ein Kampf für das Recht eines fünfjährigen Kindes aus Gaza, sicher schlafen zu dürfen, im Wissen, dass die Hamas nicht seine Familie dazu zwingt, Raketen im Keller des Hauses zu verstecken. Wir teilen ein ähnliches Schicksal und wir müssen einen Weg finden, auch das Land und seine Ressourcen zu teilen. Die Hamas ist der Feind des palästinensischen Volkes. Die Ideologie der Hamas verneint alle Prinzipien, an die wir glauben, und im Namen dieser Ideologie hat sie zwei Millionen Palästinenser als Geiseln genommen.

Der Terror ist der gemeinsame Feind Israels und der ganzen westlichen Welt. Die Probleme im Gazastreifen enden nicht in Israel, weil das Ziel der ISIS-Kämpfer nicht allein an den Grenzen des Irak oder Syriens endet. Eines Tages werden einige von ihnen nach Europa zurückkehren und eine fundamentalistische Indoktrination und Kenntnisse darüber mitbringen, wie man Terroranschläge verübt – Kenntnisse, die sie im Nahen Osten erworben haben und in die Gesellschaften Europas tragen werden.

Die Angriffe gegen Israelis und Juden und die Parolen, die in den letzten Wochen in Deutschland zu hören waren, lösen Furcht aus. Solange sie in Deutschland sichtbar und hörbar sind, schaden sie jedem Prozess der Aufarbeitung der Vergangenheit, indem sie allen Feinden der Demokratie und ihren Angriffen gegen die Menschenrechte Raum geben. Als jemandem, der die deutsche Gesellschaft kennt, ist mir klar, dass jene Kräfte eine gesellschaftliche Minderheit bilden. Doch wenn gegen diese Angriffe und Parolen kein Protest aufbrandet und Gegenmaßnahmen ergriffen werden, dann entsteht der Eindruck, dass es sich um eine dominante Stimme in der Gesellschaft handelt. Der Kampf für demokratische und liberale Werte und für den Lebensstil der westlichen Welt führt über den Kampf gegen Antisemitismus und gegen die Hamas, die zur Vernichtung des Staates Israel aufruft.

Liebe Freunde Israels, indem Ihr an unserer Seite steht, steht Ihr nicht nur an der Seite Israels. Zugleich stützt Ihr dadurch die deutsche Demokratie, die Menschenrechte, die Meinungsfreiheit und den westlichen Lebensstil, den wir nicht ohne Schmerz und Leiden errungen haben. Durch Eure Aktivitäten und Euren unermüdlichen Einsatz seid Ihr unsere Augen, Ohren und Stimme, unsere Hände und Füße. Dafür danke ich Euch.

Sie und Euch kennenzulernen und mit Ihnen/Euch zu arbeiten war mir eine Freude, und ich wünsche meinem Nachfolger, Herrn Rogel Rachman, für alles Kommende viel Erfolg und ruhigere Tage.

Mit den besten Wünschen Tal Gat

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