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Journalistenkonferenz zwischen Regenbogenfahnen und heiligen Stätten

30. Juni 2015 · Keine Kommentare · deutsch-israelische Beziehungen, Geschichte, Gesellschaft, Holocaust, Journalismus

70 internationale Journalisten, viele von ihnen von einflussreichen deutschen Medien, fanden sich vom 13. – 16. Juni zu einer Journalistenkonferenz in Tel Aviv ein. Dazu eingeladen hatten sie das Internationale Journalisten-Programm e.V. und die Herbert Quandt-Stiftung in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt. Zu den Teilnehmern aus Deutschland gehörte auch Elise aus Lübeck, die zum ersten Mal nach Israel gereist ist. Für unseren Blog hat sie ihre Eindrücke zusammengefasst.

„Es gibt noch unzählig viele Geschichten zu berichten aus diesem Land.“ So lautete das gemeinsame Fazit der Auslandskorrespondenten, die an  einer Podiumsdiskussion der Journalistenkonferenz teilnahmen. Auch über folgende Punkte waren sie sich einig: Israel ist ein Land der Vielfalt, der Abwechslung, der Gegensätze. Ein Land, das erstaunt und verwirrt. Kein Wunder also, dass es ein Paradies für Berichterstatter ist. 500 ausländische Korrespondenten leben und arbeiten zurzeit in Israel, nur in Washington DC sind es mehr. Es überrascht nicht, eine Konferenz für internationale Medienmacher hier stattfinden zu lassen; in einem Acht-Millionen-Einwohner Land, das eine unvergleichbare mediale Aufmerksamkeit erhält.

Die Journalistenkonferenz in Tel Aviv

Die Journalistenkonferenz in Tel Aviv

Das Thema der Konferenz ist in diesem Jahr natürlich das 50-jährige Jubiläum der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen. Ein „Wunder“ nennen es die Organisatoren. Der Holocaustüberlebende und Podiumsgast Noah Klieger nennt es jedoch „etwas, das es nicht hätte geben dürfen“. Der Vertrag zur diplomatischen Annäherung sei verfrüht gekommen, die politische Elite in Deutschland hätte im Jahr 1965 noch Blut an ihren Händen gehabt, so Klieger. Seine Äußerung zeigt: Die Sichtweise ist umstritten und längst sind nicht alle Wunden aus der Vergangenheit geheilt. Israel ist eben auch ein Land, in dem Meinungsfreiheit großgeschrieben wird, in dem diskutiert werden kann, in dem man sich kritisch mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinandersetzt.

Und genau das passiert während der Konferenz: Gil Yaron, Israel-Korrespondent der Zeitung „Die Welt“, erklärt, warum Deutschland und Israel auf unterschiedlichen Planeten beheimatet sind: dass „Never Again“ für Deutsche nämlich hieße, nie wieder Täter sein zu wollen; für Israelis bedeute es jedoch, nie wieder zu Opfern zu werden. Es seien konträre politische Konsequenzen, die sich daraus ableiten würden. In Deutschland schrecke man vor militärischen Einsätzen zurück und stehe der eigenen Armee kritisch gegenüber. In Israel gelte es, die Heimat,  das kleine Stückchen Land, zu verteidigen, und man sei stolz, das mit der eigenen Armee tun zu können. Die Rahmenbedingungen beider Länder könnten anders nicht sein: Deutschland sei von Freunden umgeben und habe im eigenen Land seit dem 2. Weltkrieg keinen Krieg mehr erfahren. Das Gegenteil gelte für Israel. Umso schwieriger sei es, die israelische Realität aus einer deutschen Perspektive zu bewerten.

Regenbogen-Fahnen zur Gay Pride in Tel Aviv.

Regenbogen-Fahnen während der Gay Pride in Tel Aviv.

Doch gibt es sie überhaupt, die eine israelische Realität? Die Realität scheint vielmehr aus einer Vielzahl von Realitäten zu bestehen. Das wird zum Beispiel deutlich, als ein junger arabischer Medienmacher aus Israel von seiner ersten Reise nach Berlin erzählt. Er wurde gefragt, wie es für ihn sei, im Land der Täter zu sein. Darauf konnte er nicht antworten, weil seine Familiengeschichte eben einer anderen israelischen Realität entstammt.

Die Kontraste dieses Staates werden nicht nur in Vorträgen deutlich. In Tel Aviv wehen während der Konferenz in der gesamten Stadt Regenbogenfahnen. Der Gay Pride wird gerade gefeiert. Nicht einen Tag, sondern eine Woche lang. Mitten im Nahen Osten fühlt man sich an Berlin erinnert. Durchtrainierte Körper werden in knapper Bademode zur Schau gestellt, nachts verwandelt sich die gesamte Stadt in eine Partymeile mit hippen Bars und noch hipperen Barbesuchern. Am letzten Tag der Konferenz geht es etwas weiter westlich, nach Jerusalem. Hier tummeln sich Strenggläubige zum Beten und Meditieren. Man kann nur staunen, wie orthodoxe Juden, fromme Ordensschwestern und gläubige Muslime tief bewegt an heiligen Stätten Inspiration schöpfen. Völlig in sich gekehrt, zum Teil mit Tränen in den Augen, knien sie in Kirchen, flüstern ihre innigsten Wünsche in eine Mauer, beten andächtig an den Orten, wo sich ihre heiligen Geschichten abgespielt haben sollen.

Dieses Land mit seinen vielen Welten fasziniert – durch seine reiche Geschichte, religiöse Vielfalt, unglaubliche Gegensätze. Im Flieger Richtung Deutschland schmieden sicher einige Konferenzteilnehmer schon Zukunftspläne, von sich als Auslandskorrespondenten. Dann können sie einige der unzähligen Geschichten eines Tages selbst berichten.“

 

 

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