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“Bilder der Woche” – Welcome to “Pallywood”

8. September 2015 · Keine Kommentare · Armee, Gesellschaft, In eigener Sache, Journalismus, Kommentar, Palästinenser, Politik, Sicherheit, Stellungnahmen

Am vergangenen Freitag erreichte die Bilderserie eines Protestes im palästinensischen Dorf Nabi Saleh die Redaktionen großer Medien überall auf der Welt. Die Fotos zeigen einen Soldaten der Israelischen Armee (IDF), der versucht, einen palästinensischen Jungen unter Kontrolle zu bringen, der zuvor Steine auf den Soldaten geworfen hatte. Später greifen die Mutter des Jungen und seine Schwester in die Szene ein. Weitere Bilder und Videos von jenem Freitag zeigen die Mutter des Jungen, wie sie auf den israelischen Soldaten einredet, und die 15-jährige Tochter, wie sie dem Soldaten in die Hand beißt.

Das "Bild der Woche" im "Stern"

Das „Bild der Woche“ im „Stern“

Eines dieser Bilder wählte die Redaktion des „Stern“ aus und druckte es als „Bild der Woche“ auf einer Doppelseite in der aktuellen Ausgabe. Leider ist das Magazin damit auf manipulierte Bilder hereingefallen. Wer seine Leser wirklich informieren will, hätte die Hintergründe dieses Fotos erklären müssen.

Die Darsteller dieser Szene gehören zur Familie Tamimi, einer ziemlich bekannten Familie aus dem Dorf Nabi Saleh. Es sind Provokateure, die nicht zögern, ihre eigenen Kinder in eine Konfrontation mit der Israelischen Armee zu schicken, wie der Guardian kürzlich berichtete. Sogar die New York Times hat bereits die Mitglieder dieser Familie poträtiert. Diese Familie kennt sich gut aus mit Medien. Ahed, die  Tochter, wurde zum Star eines viralen Videos aus dem Jahr 2012, das sie dabei zeigt, wie sie israelische Soldaten beschimpft. Ahed war damals zwölf Jahre alt.

Diese Demonstrationen an Freitagen in Nabi Saleh sind ein Ritual, sie finden regelmäßig statt, teilweise seit Jahren. Der Ablauf dieser Demostrationen ähnelt sich stets:  Palästinenser werfen Steine auf israelische Soldaten und die israelischen Soldaten reagieren darauf. In der Regel sind gleich mehrere Fotografen zur Stelle. Der Plan, Bilder für die Medien zu erschaffen ­- er geht auf.

All das erklärt der Stern nicht. Wurde hier sorgfältig recherchiert?  Zumal es in den vergangenen Tagen leider eine große Auswahl für Bilder der Woche gegeben hätte, für die wahren Bilder der Woche: Flüchtlinge, die auf ihrer Reise nach Europa unfassbares Leid ertragen müssen. Der palästinensische Junge, den seine Eltern in die Konfrontation mit dem israelischen Soldaten geschickt haben, ist nach Hause gegangen, nachdem die Fotos gemacht wurden. Die hunderttausenden Menschen auf der Flucht aus dem Nahen Osten haben ihr Zuhause verloren.

Kommentare zum Foto auf der Facebookseite von Al Jazeera

Kommentare zum Foto auf der Facebookseite von Al Jazeera

Einer der ersten Sender, der die Bilder und das Video verbreitete, war Al Jazeera. Das ist wenig überraschend, denn Al Jazeera ist nicht bekannt für israelfreundliche Berichterstattung. Umso bemerkenswerter waren die arabischsprachigen Reaktionen auf der Facebookseite des Senders auf den Beitrag. Dokumentiert hat diese Kommentare Shay Amiran. Er arbeitet für die Firma Arabicmedia, die arabischsprachige Medien auswertet (siehe Screenshots). Ein Kommentar lautete: „Israelische Solaten sind mitfühlender als arabische Soldaten.“  Ein weiterer: „Wenn das in Ägypten passiert wäre, hätten die Soldaten mit scharfer Munition auf den Jungen geschossen (…).“ In einem anderen Kommentar hieß es: „Beachtet, dass er [der Soldat], obwohl er eine Waffe trägt und ein Zionist ist, ihm [dem Jungen] nicht in den Kopf geschossen hat. Stellt euch mal vor, wie sie in arabischen Ländern den Jungen behandelt hätten.“ Diese Kommentare bekamen zahlreiche Likes (siehe Screenshots).

Es ist sicher, dass aus diesen Kommentaren keine Liebe zu Israel spricht. Natürlich ist es selbstverständlich, dass ein Soldat nicht auf einen Jungen schießen darf, der einen Stein geworfen hat, und wir verurteilen es, Kindern etwas anzutun. Aber aus den Kommentaren spricht die bittere Realität im Nahen Osten. Dort herrschen Terror und Angst, verbreitet von Terrormilizen, ganz vorne dem „Islamischen Staat“. In Syrien wurden hunderttausende Menschen massakriert, von der Situation in Irak und Jemen ganz zu schweigen. Täglich geschehen auch in Libyen und im Sudan Gräueltaten. Im Iran wurden im vergangenen Jahr hunderte Menschen hingerichtet. In der Region werden heilige Stätten zerstört. Überall werden Menschen zur Flucht gezwungen.

Adi Farjon (Foto: Botschaft)

Adi Farjon (Foto: Botschaft)

Wir kennen die Menschen nicht, die auf der Facebookseite von Al Jazeera ihre Kommentare abgegeben haben, die den israelischen Soldaten in Schutz nehmen. Aber sie haben erkannt, dass die Bilder das Gegenteil von dem erzählen sollen, was in Wahrheit geschehen ist.

In sozialen Medien werden Konflikte oft nur kurz ausgeleuchtet, wie mit einem Blitzlicht. Die neuen Medien basieren auf der intuitiven Wahrnehmung des Augenblicks. Wer nimmt sich schon Zeit, hinter die Kulissen zu schauen und die Fakten zu prüfen?

So finden manipulierte Bilder ihren Weg in die Köpfe. In dutzenden Fällen wurde bereits nachgewiesen, dass Videos und Bilder nur kleine Ausschnitte zeigten und so die wahre Geschichte dahinter versteckten. Der amerikanische Professor Richard Landes bezeichnet diese Methode als „Pallywood“. Der Begriff ist eine Mischung aus Hollywood und Palästina. Wenn es so ein eingeübtes Schauspiel ist, das uns mit emotionalen Bildern die Methoden der Provokateure, ihren Hass und ihre Ideologie vergessen lassen soll, dann sollten professionelle Medien ihre Leser zumindest über die Hintergründe aufklären. Willkommen zu den Bildern der Woche – den Bildern aus Pallywood.

Adi Farjon

Adi Farjon ist Sprecherin der Israelischen Botschaft in Berlin

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