Botschaft des Staates Israel in Berlin

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Yair Lapid spricht bei Gala-Dinner von Israel Allies Foundation

9. November 2015 · 1 Kommentar · 50 Jahre Israel - Deutschland, Antisemitismus, Araber, Christen, deutsch-israelische Beziehungen, Friedensverhandlungen, Geschichte, Hamas, Holocaust, Palästinenser, Politik, Sicherheit, Syrien, Terror, UN, Wirtschaft

Die Israel Allies Foundation lud am Sonntag, den 8. November, zum Gala-Dinner nach Berlin ein. Als Hauptredner  trat der Knesset-Abgeordnete und frühere israelische Minister Yair Lapid auf. Weitere Redner waren neben den Veranstaltern und Kooperationspartnern unter anderem Botschafter Yakov Hadas-Handelsman und Eliot L. Engel, Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus und Vorsitzender des ICJP (International Council of Jewish Parlamentarians).

Das Gala-Dinner fand im Rahmen der Europa-Konferenz der Israel Allies Foundation statt. Parlamentarier aus ganz Europa trafen sich mit Diplomaten, Experten, Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, Unternehmern und anderen, um über relevante Themen mit Bezug zu Israel zu sprechen.

In seiner Rede sagte Yair Lapid:

“Ich möchte Sie dazu ermuntern, sich kurz etwas vorzustellen.

Stellen Sie sich vor, dass Sie ein 64 Jahre alter Mann sind. Ein netter, sanfter Mann. Ein Mann, der niemals jemanden verletzt hat.

Während Sie Auto fahren, beachten Sie das Tempolimit, da Sie ein gesetzestreuer Mensch sind. Sie hören sich im Radio Mozart an. Es läuft die Serenade Nummer 13 in G-Dur, besser bekannt als „Eine kleine Nachtmusik“.

So fuhren Sie an jenem Morgen. So fuhren Sie auf dem hinweg. Das Radio läuft.
Alles ist ruhig.
Dann, plötzlich, ein Knall. Ein riesiger Stein, eine Steinplatte, die jemand warf, um zu töten, zerschmettert die Windschutzscheibe, zerschmettert Ihr Gesicht und Sie sterben auf der Straße. Ohne Grund.

Yair Lapid bei seiner Rede (Foto: Botschaft)

Yair Lapid bei seiner Rede (Foto: Botschaft)

Genau genommen gibt es einen Grund. Einen einzigen Grund. Jemand hat Sie ermordet, nur weil Sie Jude sind.

Das ist keine theoretische Geschichte. Der Mann, den ich gerade beschrieben habe, ist Alexander Levlovitz. Er wurde am 14. September auf dem Nachhauseweg nach einem Abendessen in Jerusalem ermordet, nur weil er Jude war. Und die Welt sagte: „Die Juden sind schuld.“

Ein 13-jähriger Junge wurde von zwei palästinensischen Kindern – der eine 17 Jahre alt, der andere 13 Jahre alt – mit einem Messer verwundet. Er wurde schwer verletzt und kämpft noch immer um sein Leben. Die Sicherheitskräfte mussten auf die Angreifer schießen, damit sie nicht versuchen würden, noch mehr Kinder zu töten.

Die Palästinenser zeigten der Welt Bilder von den verletzten Angreifern. Sie wurden in den westlichen Medien ausgestrahlt, ohne nur einmal, nur ein einziges Mal, die Tatsache zu erwähnen, dass diese Kinder mit Messern herumliefen und versuchten, Menschen damit zu erstechen.

Das einzige, was veröffentlicht wurde, war: „Die israelischen Sicherheitskräfte haben auf palästinensische Kinder geschossen.“ Und die Welt sagte, natürlich: „Die Juden sind schuld.“

Es stimmt, dass in der gegenwärtigen Gewalt auch Palästinenser getötet wurden, aber es gibt einen Unterschied: Niemand hat ihnen Schaden zugefügt, weil sie Palästinenser sind oder weil sie Muslime sind, sondern weil sie versucht haben, unschuldige Menschen zu töten, die ihnen nichts angetan hatten.

Diejenigen, die jene Mörder mit unseren Ermordeten gleichsetzen, schaffen das Konzept der Selbstverteidigung ab. Sie schaffen die Idee ab, dass es einen Unterschied zwischen dem Angreifer und dem Angegriffenen gibt.
Zwischen dem Opfer und dem Mörder.
Zwischen dem Recht, einer demokratischen Nation,  für Recht und Ordnung zu sorgen, und dem Versuch von Terroristen – überall auf der Welt – Chaos  zu schaffen, einen religiösen Krieg zu provozieren, Tod und Zerstörung zu säen.

Dschihad-Terrorismus hat niemals die Tatsache verdeckt, dass sein Krieg auch um die Herzen und den Verstand kämpft.
Dschihad-Terrorismus hat niemals die Tatsache verdeckt, dass er daran interessiert ist, die westlichen Medien zu rekrutieren – indem er die Schuld des Westens und seine Tendenz, ein Gleichgewicht zu schaffen, nutzt.
Um dies zu erreichen, lügen die Terroristen. Sie erfinden Geschichten, sie stellen Fotos. All dies funktioniert. Westliche Medien, der westliche Liberalismus, westliche Werte der freien Rede sind zu einer Waffe geworden, die gegen Israel verwendet wird.

Terroristen haben kein Problem damit, die öffentliche Meinung zu manipulieren, um gegen Israel aufzuhetzen.
Es gibt unzählige dokumentierte Beweise für die Tatsache, dass sie Geschichten fabrizieren, dass sie lügen, dass sie täuschen – aber die Welt entscheidet sich, die langweiligen Fakten zu ignorieren, um Dramen zu erschaffen. Es ist leichter, die Juden zu beschuldigen, und es bringt die bessere Geschichte.

Es ist unmöglich, hier in Berlin zu stehen und über den Mord an Juden, nur weil sie Juden sind zu sprechen, ohne dass wir alle an den Holocaust denken. Vor allem, da wir heute Nacht zum 77. Mal der Reichskristallnacht gedenken werden – der Nacht, in der Deutschland bedeckt war mit zerbrochenem Glass, das mit jüdischem Blut gesprenkelt war.
Der Staat Israel wurde nach dem Holocaust geschaffen. Hätte es den Holocaust nicht gegeben, hätte es die fürchterlichen Szenen nicht gegeben, als die alliierten Truppen die Konzentrationslager – Auschwitz, Dachau, Mauthausen – unter den Augen der Welt erreichten – es ist schwierig, sich vorzustellen, dass die Vereinten Nationen dann im November 1947 für die Errichtung des Staates Israel gestimmt hätten.

Die Frage, die uns seitdem verfolgt, lautet: Was haben wir aus dem Holocaust gelernt? Was ist die Lehre? Diese Frage beunruhigt die deutsche, aber auch die israelische Gesellschaft.

Sie ist beunruhigend, weil wir, weil das jüdische Volk den Holocaust mit einer doppelten Lehre zu Ende gehen sah. Der Holocaust lehrte uns zwei Sachen, die voneinander unabhängig sind:

Die erste Lehre ist, dass wir überleben müssen. Überleben um jeden Preis. Alleine überleben. Niemandem trauen. Wir dürfen nicht glauben, dass jemand uns retten wird. Wir und nur wir müssen das jüdische Volk mit unserer eigenen Kraft und Kraft der israelischen Armee vor allen schützen, die ihm Schaden zufügen wollen.

Zu überleben ist nicht nur ein alter Instinkt, den wir mit unseren Nachbarn im Dschungel der menschlichen Existenz teilen. In unserem Falle ist es auch ein historisches Gebot: Wir müssen überleben, weil die jüdische Idee nicht absterben darf.

Die zweite Lehre ist, dass wir ein moralisches Volk sein müssen. Nicht in Worten, sondern in Taten. In den Entscheidungen, die wir fällen, und den Risiken, die wir auf uns nehmen.
Auf den Wänden des Holocaust-Museums in Washington stehen die drei Gebote des Auschwitz-Überlebenden Viktor Frankl:
Sei kein Opfer.
Sei kein Kollaborateur.
Sei kein Zuschauer.

Das Problem mit diesen zwei Lehren ist, dass sie einander  in vielen Fällen im Leben unseres Staates widersprechen. Wenn man um jeden Preis überleben möchte und moralisch bleiben möchte, dann muss man besonders schwierige Entscheidungen treffen.

Dies ist schwierig, weil unsere Feinde keine moralischen Grenzen kennen.
Terroristen von ISIS und Hamas sind Menschen, deren Denken aus dem Mittelalter stammt mit Waffen aus dem 21. Jahrhundert. Wenn man mit solchen Menschen konfrontiert wird, wird man sterben, wenn man nicht ohne zu zögern kämpft. Wenn man seine Moral nicht bewahrt, während man kämpft – dann riskiert man, zu sehr wie sie zu werden.
Es ist ein Kampf. Ein qualvoller Kampf, täglich, blutig, ohne leichte Antworten.

Doch in gemütlichen Wohnzimmern hier in Berlin, Paris, Washington und Stockholm sitzen Menschen, die all die einfachen Antworten haben.

Sie sagen uns, dass wir diesen Konflikt nicht so angehen, wie wir sollten. Wie sind nicht genug ästhetisch. Wenn wir uns nur anders verhalten würden, würde der Terrorismus enden.
Dies stimmt faktisch nicht, da der Terrorismus lange vor jeglicher Besatzung begann und islamischer Terrorismus an Orten auftaucht, die keine Verbindung zu Israel haben.
Dies stimmt historisch nicht, da Israel zweimal – 2000 und 2008 – den Palästinensern mehr als 90% des Landes angeboten haben, damit sie einen Staat für sich selbst errichten könnten. Beide Male zogen sie es vor, das Angebot abzulehnen und auf dem Weg des Terrors fortzuschreiten.

Und moralisch stimmt dies nicht, da Menschen von Indien bis nach Ruanda in deutlich schlimmeren Bedingungen leben als die Palästinenser und niemand glaubt, dies berechtige sie, sich Mord und Terror zuzuwenden…

Heute gab es drei Terroranschläge in Israel. Fünf Israelis wurden verletzt, zwei davon schwer. Wenn westliche Liberale sagen, dass dies alles aus Israels Verhalten resultiert, dann ist dies keine Erklärung, sondern eine Rechtfertigung.

Die Ermordung von unschuldigen Zivilisten kann niemals gerechtfertigt werden.

Es gibt keine Rechtfertigung für 9/11.
Es gibt keine Rechtfertigung dafür, dass ISIS Menschen bei lebendigem Leibe verbrennt.
Es gibt keine Rechtfertigung für die Tatsache, dass mehr als eine Viertel Million Menschen in Syrien getötet wurden.
Und es gibt keine Rechtfertigung für die Messerattacken und die Tötungen, die im Laufe der letzten Wochen auf den Straßen Israels stattgefunden haben.

Und doch – seit 2006 wurde Israel in nicht weniger als 62 Resolutionen des UN-Rats für Menschenrechte verurteilt. Die ganze Welt zusammengezählt wurde nicht so häufig verurteilt.

In diesen Jahren gab es Massaker in Syrien, in Libyen, im Kongo, im Irak. Millionen Menschen starben, doch der UN-Rat für Menschenrechte fuhr fort, das Land zu verdammen, das alles in seiner Kraft stehende tut, um zu vermeiden, dass Unschuldige verletzt werden.

Das letzte Beispiel ist die Absicht der Europäischen Union, Produkte, die aus der Westbank und den Golanhöhen stammen, zu kennzeichnen.
Dies ist keine rechtliche Angelegenheit, sondern eine politische. Dies ist die klassische BDS-[Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen] Kampagne im Deckmantel. Man stellt sich dumm, während man versucht, die zukünftigen Grenzen im Voraus festzulegen, ehe Verhandlungen starten. Man fügt die Golanhöhen hinzu, obwohl man wohl weiß, dass kein einziger Palästinenser dort lebt – nicht einer! – und es keinen gibt, dem man die Golanhöhen geben könnte.
Es ist an der Zeit, aufzuhören, Israel zu verdammen, und sich auf diejenigen zu konzentrieren, die uns verdammen:
Weswegen tun sie es? Was sind die wahren Gründe dafür, dass sie lieber die Fakten ignorieren? Was ist der dunkle, verinnerlichte Unterschied, der sie dazu anhält, die israelische Demokratie zu verdammen und nicht unsere mörderischen Feinde? Was veranlasst sie, zu wollen, dass israelische Waren gekennzeichnet werden, aber nicht solche aus Ruanda, Syrien, dem Kongo oder Iran?

Dennoch ist Israel nicht von der dauerhaften Notwendigkeit ausgenommen, nach einer diplomatischen Lösung zu streben, die uns erlauben wird, uns auf Grundlage von zwei Staaten für zwei Völker von den Palästinensern zu trennen. […]

Wir müssen uns auf einen Prozess einlassen, der für beide Seiten schmerzhaft und kompliziert werden wird, aber auch dazu führen wird, was Gott uns während unserer Wanderung in der Wüste versprochen hat:

‚Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.‘ (Numeri, Kapitel 6, Vers 24-26)
Diese Reise wird nicht kurz sein und sie wird nicht leicht sein. Wir brauchen unsere Freunde, damit sie uns auf diesem Weg helfen. Wir brauchen Sie, damit Sie den Medienmachern und den Entscheidern schwierige Fragen über ihre obsessive Voreingenommenheit gegen Israel stellen können.

Wir brauchen Sie, damit Sie uns helfen, unsere Geschichte zu erzählen. Die wahre Geschichte, nicht die verzerrte Propaganda, welche die Öffentlichkeit für sich eingenommen hat. Wir brauchen Ihre Freundschaft und Ihr tiefes Engagement. Und wir müssen wissen, dass wir nicht alleine sind auf unserem Weg.

Vielen Dank. Möge Gott Sie segnen.“

(Botschaft, 09.11.15)

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